HUNA - Was ist denn das?

ALOHA, HUNA & HAWAI'I
Das alte Wissen der Polynesischen Kultur und seine Renaissance

Macht der Gedanken


Vom richtigen Wünschen


Magisches für den Schulalltag


Weiber werden weise
von der Kunst, selbstbewußt und lustvoll in die Jahre zu kommen

   
  WEIBER WERDEN WEISE
- von der Kunst, selbstbewußt und lustvoll in die Jahre zu kommen

Als ich zum ersten Mal in der Schweiz ein Seminar unter diesem Titel angekündigt hatte, löste das allerhand Turbulenzen aus. Frauen riefen den Veranstalter an, um sich ausdrücklich gegen die Bezeichnung “Weiber" zu verwehren, und “weise werden" wollten die meisten auch nicht. Eine verblüffende Reaktion, da es für mich völlig selbstverständlich ist, Weiber als selbständige, wohlgeerdete, dem Dasein in allen Facetten zugewandte Persönlichkeiten zu sehen. Weiber sind Wesen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, die wissen, was sie können und was sie wert sind, die ihren Platz in der Gesellschaft voll Selbstbewußtsein einnehmen und ausfüllen. Kurzum, kraftvolle, respektable, kundige, lebensfrohe Menschen weiblichen Geschlechts!

Die “hohe Frau" war im Gegensatz dazu ursprünglich eine Person höheren Standes, aus der Ferne minniglich angebetet, in einer Burg der Rückkehr der mehr oder minder siegreichen Recken harrend und bestenfalls als Herrin über das Gesinde mit gewöhnlichen und alltäglichen Dingen vertraut. Jedenfalls in meiner Vorstellung keine Vertreterin eines Rollenverständnisses, dem ich mich anschließen möchte.

Merkwürdig ist außerdem die seltsame Vermischung und Verwirrung in den Bewertungen dieser beiden Begriffe. Menschen weiblichen Geschlechts wollen zwar anscheinend gerne als Frauen und nicht als Weiber angesprochen werden, aber sich dann doch lieber “weiblich" als “fraulich" präsentieren. “Weiblich" klingt stark, schön, sexy, “fraulich" dagegen eher hausbacken, bieder und spießig. Oder?

Aus den schamanischen Traditionen ist mir seit vielen Jahren vertraut, daß es für Menschen jenseits der Fünfzig eine eigene Position im gesellschaftlichen Gefüge gibt, sie werden zu “Elders", zu “Ancianas", zu allgemein hochgeschätzen Mitgliedern des Ältestenrates. Stammesmitglieder in einem Alter, in dem die körperliche Kraft nachzulassen beginnt, sind nicht mehr für die tägliche Arbeit zur Nahrungsbeschaffung, für Kampf und Verteidigung, für Fortpflanzung oder Hausbau zuständig. Sie sind die weisen, geduldigen Ratgeber der Jugendlichen, denen sie beim Erwachsenwerden beistehen, sie geben die Mythen und Werte ihrer Tradition weiter, sie tragen die Verantwortung für die Harmonie in der Gemeinschaft, schlichten Streit und stellen ihren reichen Schatz an Lebenserfahrung zur Verfügung.

Frauen nähern sich dem Archetypus der “Weisen Alten" an, sie geben der nächsten Generation weiter, was ihnen in ihrem Leben bisher von Nutzen war. Oft gab es zu diesem Zweck eigene Plätze oder Häuser, in denen menstruierenden Frauen, die von ihren alltäglichen Pflichten befreit waren, das nur ihrem Geschlecht vorbehaltene Wissen vermittelt wurde. Und zwar von den “alten Weibern", den Geschlechtsgenossinnen, die die Aufgaben ihres Arbeits- und Familienlebens schon gelöst hatten. Mala Spotted Eagle, der Sohn von Rolling Thunder, einem Medizinmann der Cherokee, erzählte einmal in einem Vortrag, wie es in seinem Dorf zugegangen ist, wenn mehr als fünf Frauen gleichzeitig in der “Moon Lodge" waren und die Männer sich um Haushalt und Kinder zu kümmern hatten: Das Chaos nahm überhand. Die Weiber genossen ihre allmonatliche Auszeit und freuten sich schon aufs nächste Mal. Kein Wunder, daß sie keine Menstruationsbeschwerden kannten.....

Im Kreis der Ältesten waren die weisen alten Frauen keineswegs untergeordnet. Daß sie schweigend um den Kreis der Männer saßen, bedeutete nicht - wie manche europäischen Beobachter fälschlicherweise geschlossen hatten -, daß sie nichts zu sagen hatten. Daß sie sich sozusagen auch der “natürlichen Ordnung³, die ihnen nur einen Platz in der zweiten Reihe zubilligte, unterworfen hatten. Ganz im Gegenteil: Die Männer palaverten so lange, bis sie der Clan-Mutter einen Lösungsvorschlag unterbreiten konnten, den diese dann mit einer einfachen Handbewegung akzeptierte - oder auch nicht.... Im letzteren Fall bedeutete das erneut: Palaver, palaver, palaver, bis ein neuer Vorschlag gefunden war.

Das Problem besteht nicht im Älterwerden an sich, so meine ich, sondern in der Bewertung dieser Lebensphase. Darin, ob wir Weiber über Fünfzig uns als unattraktiv und vom wahren Leben ausgeschlossen oder vielmehr als selbstsicher, erfahren, anerkannt und als wichtige, machtvolle Mitglieder einer Gemeinschaft betrachten. Von der Bewertung, von unserer persönlichen Einstellung zum Leben jenseits der 50 hängt ab, wie es uns damit geht. Ob wir mit unserer neuen Rolle hadern und unter den zunehmend sichtbaren Zeichen der Vergänglichkeit leiden oder nicht, entscheidet ganz wesentlich darüber, ob wir für uns selbst eine sinngebende, fruchtbare, unserer reichen Erfahrung angemessene Betätigung finden oder nicht, ob wir unsere Partnerschaften und Beziehungen befriedigend und erfüllend gestalten können, - ja sogar, ob wir gesund bleiben oder nicht.

Wir leben in einem Umfeld, wo uns Weibern fortgeschritteneren Alters gerne vermittelt wird, daß wir nicht mehr begehrenswert und ernstzunehmend seien. Wir lesen Statistiken, die uns über die geringen Chancen am Arbeitsmarkt informieren. Wir sind umzingelt von abwertenden Denkmustern! Und doch ist das nicht einmal die halbe Wahrheit, nämlich insofern, als es an uns selbst liegt, ob wir diese unerfreulichen, respektlosen Glaubenssätze akzeptieren und uns bewußt oder unbewußt danach richten. Mag sein, daß wir keine Mißwahl mehr gewinnen können - na und? Mag sein, daß es Firmen gibt, die zuallererst weibliche Mitarbeiter abbauen - könnte es nicht auch mit deren Qualifikation und Grundhaltung zum Thema Arbeit zu tun haben?

Ich habe beobachtet, daß Frauen dazu neigen, sich in einer Art vorauseilendem Gehorsam selbst abzuwerten und auszuschließen, noch bevor die Männer in ihrer Umgebung konkrete Zeichen setzen. Sie betrachten sich selbst nicht mehr als erotisch und liebenswert, was sich oft in Unzufriedenheit und Sichgehenlassen manifestiert. Was wiederum zu Erfahrungen führt, die das eigene Vorurteil bestätigen. Oder, und das ist im Grunde das Gleiche mit anderen Vorzeichen, sie bemühen sich, mit großem Aufwand eine Fassade aufrechtzuhalten, hinter der sie sich genauso einsam und ungeliebt fühlen. Im Klartext, in meinen Augen unterscheiden sich die unbeweglichen, frustrierten Dicken nicht grundsätzlich von den x-mal gelifteten Fitnessstudio-Abonnentinnen. Die einen wie die anderen sind nicht mit sich im Reinen, sie lieben sich selber nicht und können daher auch nicht in ihre Kraft kommen. Im Vollbesitz ihrer Macht, ihres vollen Potentials, ihrer Lust und Freiheit sind nur diejenigen Weibsbilder, die zu sich selber stehen, die um ihre wahren Schwächen und Stärken wissen, sich selbst gegenüber trotz Falten und grauer Haare Zärtlichkeit empfinden und dem Leben mit Klugheit und Humor begegnen.

Und berufstätige Frauen, die in ihrer Arbeit mehr als nur eine Möglichkeit zum Gelderwerb sehen, die ihren Beruf ebenso als Teil ihrer Identität sehen wie ihre privaten Interessen, machen auch in diesem Bereich tendenziell mehr erfreuliche Erfahrungen. Schließlich ist unser äußeres Leben nicht von unserem inneren zu trennen. Wir bekommen immer und überall unsere Einstellungen und Vorurteile gespiegelt und erleben in jedem Moment die Manifestation unserer Denkmuster. Das heißt, nur wenn ich mir vorstellen kann, auch jenseits der 50 eine geachtete, geschätzte Mitarbeiterin zu bleiben, kann ich das auch in der alltäglichen Wirklichkeit werden. Kollisionen mit Vorgesetzten, die junge, weniger selbstbewußte Angestellte vorziehen, können vorkommen. Uns steht es frei, sie als Hinweis darauf zu interpretieren, daß unser bisheriger Arbeitsplatz nicht mehr angemessen und daß es Zeit für einen Wechsel ist. Und es steht nirgends gemeiselt, daß wir keine bessere Position mehr finden werden. Ich kenne eine Reihe von Frauen, die um die 50 einen Neustart gewagt haben und nun zurecht stolz auf sich sind.

Älterwerden hat große Vorteile, stelle ich fest: Wir weisen Weiber haben schon allerhand geleistet und niemandem mehr zu beweisen, daß wir imstande sind, unsere Frau zu stellen. Wir haben den Jungen einiges an Erkenntnis voraus, wissen schon genau, welche Art von Beziehungsleben, von Arbeitsumfeld zu uns paßt und welche nicht. Wir haben unseren Lebensstil gefunden, essen, lesen und ziehen an, was uns gefällt. Wir schlafen vielleicht zu anderen Zeiten, pflegen unsere Eigenheiten und erlauben uns bei weitem mehr unkonventionelles Verhalten als in jungen Jahren. Wir haben einiges an Verpflichtung abgeschlossen, die Kinder sind aus dem Haus, und wir genießen ein neues Maß an Freiheit. Wir haben einige “Katastrophen" überstanden und betrachten inzwischen unerwartete Ereignisse mit mehr Gelassenheit. Und idealerweise lachen wir viel und herzhaft, durchaus auch über uns selbst!

Heute haben Frauen guten Grund anzunehmen, daß sie nach dem Klimakterium noch 30 und mehr Jahre leben werden. Es handelt sich also bei dieser Lebensphase möglicherweise um die längste in einem Frauenleben. Umso wichtiger ist es darum, daß wir uns auch auf diese Zeit freuen und sie bewußt gestalten. Auch wenn die Östrogenproduktion zurückgeht und sich unsere Körper verändern, sind wir vollständig in unserer Weiblichkeit. Auch wenn die körperliche Leistungsfähigkeit nachläßt, sind wir machtvolle Wesen, die Verkörperung von Pacha Mama, der Mutter Erde.

Die Yoruba in Nigeria feiern alljährlich ein Fest zu Ehren der Mütter, das sich grundsätzlich von unseren Muttertagsaktivitäten unterscheidet: Es heißt Geledé. Dabei verkleiden sich Männer als Frauen, schnallen sich übergroße Brüste und Hinterteile um, die als Attribute weiblicher Schönheit gelten, und benützen weitere weibliche Accessoires wie Babytragetücher. Sie bemühen sich mit ihren Tänzen, die Mütter zu besänftigen und sich ihres Wohlwollens zu versichern, da sie um die Macht der weisen Alten Bescheid wissen, um ihre geistige Kraft und um ihre mächtigen Verbündeten in der Welt der Geister.

Wenn an dieser Sichtweise etwas dran sein sollte, wenn Weiber, die zu sich und ihrem Potential in jeder Lebensphase stehen, mit den Jahren immer souveräner, unabhängiger und stärker werden, ist es nicht verwunderlich, daß sie damit auch für manche immer unheimlicher und beängstigender werden. Dann wäre es durchaus nachvollziehbar, warum Männer in patriarchalen Strukturen dafür gesorgt haben, daß ihre Frauen gar nicht in die Situation kommen können, diese ihre Macht zu spüren und in ihrem eigenen Interesse einzusetzen. Soll heißen, die Unterdrückung, die Frauen noch immer in vielen Ländern begegnet, ist nicht die Reaktion auf ihre Unbeholfenheit und Schwäche, sondern vielmehr auf die große Kraft, die in ihnen steckt und zur Entfaltung drängt.

Weiber müssen zusammenhalten, sich gegenseitig achten und unterstützen. In jeder Lebensphase, aber ganz besonders im Alter. Schließlich überleben viele ihre männlichen Partner und Verwandten, daher ist es sinvoll, sich zusammenzutun und manches gemeinschaftlich zu organisieren. Weiber kennen und erkennen einander, sie können sich auf ihre Kraft verlassen, aber einander auch beistehen, wenn es nottut. Wenn uns das gelingt, tragen wir unser Lebensgefühl auch nach außen und stärken damit andere. Und es verleiht uns selbst und unserem ganzen Geschlecht Würde, wenn wir strahlend und souverän unser Schicksal meistern. Wir sind die großartigen, wunderbaren, mächtigen Repräsentantinnen der Großen Mutter, aus deren Schoß alles Leben geboren wird. Das dürfen wir nie vergessen!!!